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Haunfelder überreicht neues Werk mit Biografien aus dem kaiserlichen Reichstag an Regierungspräsident Dr. Paziorek
Regierungspräsident Dr. Peter Paziorek (hinten Mitte) nahm das Buch von Dr. Bernd Haunfelder (links) im Beisein von Jasper Freiherr von Maltzan-Vanselow und seiner Ehefrau Brigida (vorn Mitte) entgegen.
Haunfelder hat mit dem jetzt vorgelegten und im Verlag Aschendorff erschienenen Band seine Reihe biographischer Darstellungen über den kaiserlichen Reichstag abgeschlossen. Das Buch enthält 548 kurze Lebensbeschreibungen der konservativen Abgeordneten. Vor zehn Jahren erschien bereits ein Handbuch über die katholische Zentrumsfraktion und 2004 ein Buch über die liberalen Fraktionen. Die drei Standardwerke enthalten zusammen rund 2200 Abgeordnetenbiographien. Die SPD-Mitglieder waren schon früher von einem anderen Wissenschaftler veröffentlicht worden.
Die konservativen Parteien, die Deutschkonservativen und die Freikonservativen, auch Deutsche Reichspartei genannt, die mit dem Ende des Kaiserreichs untergingen und schon Jahre zuvor auf der politischen Bühne mit Ausnahme ihres agrarischen Flügels im Bund der Landwirte keine große Rolle mehr spielten, hatten ihr Stammland in den preußischen Ostprovinzen, besonders in Ost- und Westpreußen sowie in Brandenburg und Pommern. Allein 426 der 548 Parlamentarier stammten aus Preußen, zahlreiche aus Sachsen, aber nur wenige aus Süddeutschland. Sie waren daneben auch in verschiedenen streng protestantischen Gegenden, so in Mecklenburg, der Heimat der Freiherrn von Maltzan, vertreten, hatten aber im Westen nur in Minden-Ravensberg über mehrere Jahre Anhänger um sich scharen können. Hier kandidierte der auch in den eigenen Reihen aufgrund seiner militanten antisemitischen Reden umstrittene Pastor Adolf Stoecker. Die seinerzeit prominenten Namen der konservativen Parteieliten sind, mit Ausnahme Ludwig von Gerlachs oder Hans von Kleist-Retzows, Stoeckers und des kurzzeitigen Abgeordneten Wolfgang Kapp, längst vergessen. Interessant war der Hinweis Haunfelders, dass in vielen katholischen Regierungsbezirken Preußens nie ein konservativer Kandidat gewählt worden war und in Münster weder ein Konservativer noch in Liberaler.
Regierungspräsident Dr. Paziorek, dessen Vorfahren aus Westpreußen und Oberschlesien stammen, und der sich als alterfahrener Abgeordneter mit 17-jähriger Zugehörigkeit zum Deutschen Bundestag für die deutsche Parlamentsgeschichte interessiert, vernahm die Ausführungen Haunfelders mit großem Interesse. Der Historiker beschrieb anschaulich das schillernde und keineswegs geschlossene Auftreten beider Parteien, die großen Differenzen zwischen Reichskanzler Bismarck und seinen konservativen Standesgenossen seit 1866 sowie die Entwicklung des konservativen Lagers. Vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde es eigentlich nur noch als ein Anhang des aggressiv nationalistischen Bundes der Landwirte wahr genommen. Dennoch hätten manche konservative Forderungen, wie beispielsweise die zum Schutz des arbeitsfreien Sonntags, die Jahrzehnte überdauert, hob Haunfelder hervor.
27.11.2009

