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"Gibt es einen gerechten Krieg?" - Niklas Draeger ist Sieger der 10. Philosophischen Winterakademie in Münster

Glückwünsche für die fünf Sieger Dr. Bernd Rolf, Dr. Ulrich Hillebrand, Julian Müller, Thassilo Niklas Seer, Niklas Draeger, Hannah Kriegler, Teodor Pcelarov, Dr. Niels Lange

Glückwünsche für die fünf Sieger (v.l.n.r.) Dr. Bernd Rolf, Dr. Ulrich Hillebrand, Julian Müller, Thassilo Niklas Seer, Niklas Draeger, Hannah Kriegler, Teodor Pcelarov, Dr. Niels Lange

Münster. Niklas Draeger vom Rhein-Sieg-Gymnasium in St. Augustin hat die diesjährige 10. Philosophische Winterakademie in Münster gewonnen. Sein in englischer Sprache verfasster Essay behandelt das Thema „Unsere bisherige Technik steht in der Natur wie eine Besatzungsarmee in Feindesland und vom Landesinnern weiß sie nichts (…)“. Den zweiten Platz belegte Julian Müller von der Märkischen Schule in Bochum. Gemeinsam werden sie im Mai an der Internationalen Philosophie-Olympiade in Griechenland teilnehmen.

Den dritten Platz belegt Hannah Kriegler vom Maristenkolleg in Mindelheim (Bayern). Über den vierten Platz kann sich Thassilo Niklas Seer vom Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Wuppertal freuen. Der fünfte Platz geht an Teodor Pcelarov vom Weser-Gymnasium in Vlotho.

Schulministerin Ministerin Barbara Sommer konnte bei der feierlichen Urkundenübergabe nicht dabei sein, ließ aber ein Grußwort verlesen. Alle Schüler erhielten aus den Händen von Dr. Ulrich Hillebrand (Bezirksregierung Münster), Dr. Gerd Gerhardt (Leiter der Philosophischen Winterakademie), Dr. Hermann Fechtrup (Josef-Pieper-Stiftung), Dr. Niels Lange (Stiftung Westfalen-Initiative) und Prof. Dr. Michael Quante (Deutsche Gesellschaft für Philosophie) eine Urkunde.

Die 10. Philosophische Winterakademie Münster hat sich in diesem Jahr mit dem Thema „Gibt es einen gerechten Krieg?“ auseinandergesetzt.

Wir sind heute mit einer steigenden Zahl von Konflikten konfrontiert, die in den seltensten Fällen noch dem Muster früherer Staatenkonflikte folgen, sondern vermehrt durch asymmetrische Konstellationen ganz unterschiedlicher Konfliktparteien gekennzeichnet sind. Einige davon versucht man mit militärischen Einsätzen internationaler Bündnisse und Institutionen zu beenden und den Frieden zu stabilisieren. Hinzu kommen Situationen verschiedener Formen von Menschenrechtsverletzungen, die aktuell die Frage diskutieren lassen, ob und mit welchen Kriterien humanitäre Interventionen - auch mit militärischen Mitteln - möglich oder gar geboten sind. Kann zur Diskussion und Bewertung dieser Fragen das traditionelle Konzept des „gerechten Krieges“ hilfreich sein oder muss es – wie aktuell debattiert - von einem Konzept des „gerechten Friedens“ abgelöst und so im Sinne des Menschenrechtsschutzes neu mit Leben gefüllt werden?

Der Wettbewerb nahm dabei nur einen Vormittag ein. In den vier Akademie-Tagen standen Vorträge zu philosophischen Themen, ein philosophisch-poetischer Stadtrundgang in Münster und der Besuch von Arbeitsgemeinschaften auf dem Programm. Einen breiten Raum nahmen die Gespräche der Schüler untereinander ein, die sich nicht nur um philosophische Fragen drehten.

Ein Essay ist im Unterschied zu einem wissenschaftlichen Aufsatz oder einer Facharbeit kürzer und formal freier. Er kann durchaus subjektiv sein und Denkanstöße geben. Den Schülern wurde vier Stunden Zeit gegeben sich mit dem Thema kritisch auseinanderzusetzen. Als zusätzliche Herausforderung durften die Essays nur in französischer oder englischer Sprache verfasst werden.

Themen der diesjährigen Philosophischen Winterakademie waren:

1. Es ist kein Aufruf zum Zynismus, wenn man sagt, dass Gewalt manchmal notwendig sein kann – es ist eine Anerkennung der Geschichte, der Unvollkommenheit des Menschen und der Grenzen der Vernunft. (Der amerikanische Präsident Barack Obama in seiner Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises, Stadthalle Oslo, 10.12.2009)

(8 Schüler haben dazu ein Essay geschrieben.)

2. Es ist ein Irrtum, anzunehmen, der Mensch habe noch einen Inhalt oder müsse einen haben. Der Mensch hat Nahrungssorgen, Familiensorgen, Fortkommensorgen, Ehrgeiz, Neurosen, aber das ist kein Inhalt im metaphysischen Sinne mehr. (…) Es ist überhaupt kein Mensch mehr da, nur noch seine Symptome.

(Gottfried Benn: Nietzsche – nach fünfzig Jahren. (1959) In: Gesammelte Werke, hg. v. Dieter Wellershoff. Frankfurt/M.: Zweitausendeins 2003. S. 1056. Auch in: Essays und Reden, Frankfurt/M.: Fischer 1989, S. 503)

(5 Schüler schrieben zu diesem Thema Essays.)

3. Unsere bisherige Technik steht in der Natur wie eine Besatzungsarmee in Feindesland und vom Landesinnern weiß sie nichts (…).

(Ernst Block: Das Prinzip Hoffnung, 2. Bd. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 3. Aufl. 1976, S. 814; 1. Aufl. 1959) (Zu diesem Thema wurden 6 Essays verfasst.)

4. Einsamkeit – philosophisch betrachtet

(6 Essays gab es zu diesem Thema.)

Neben dem Programm für die Schüler wurde auch eine begleitende Lehrerfortbildung angeboten.

Die 26 teilnehmenden Schülerinnen und Schüler kommen aus Berlin, Bochum, Bonn, Borken, Bottrop, Essen, Hamburg, Heidelberg (Baden-Württemberg), Hilden, Horn-Bad Meinberg, Ingelheim (Rheinland-Pfalz), Köln, Mainz (Rheinland-Pfalz), Marl, Menden, Mindelheim (Bayern), Möckmühl (Baden-Württemberg), Münster, Pulheim, Rheda-Wiedenbrück, Heiligenhaus, St. Augustin, Vlotho und Wuppertal.

In der Qualifikationsphase waren 646 Wettbewerbsbeiträge aus 15 Bundesländern (ohne Thüringen) eingereicht worden. 26 Oberstufenschüler hatten sich für die diesjährige Winterakademie qualifiziert. Mit der Teilnahme an der Philosophischen Winterakademie sollen engagierte Schüler belohnt werden und Gelegenheit zum Gedankenaustausch erhalten.

Die Philosophische Winterakademie wird von der Akademie Franz-Hitze-Haus, der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der Josef-Pieper-Stiftung, der Stiftung Westfalen-Initiative, dem Fachverband Philosophie e. V. und der Bezirksregierung Münster ausgerichtet und gefördert.

Fahren zur Internationalen Philosophie-Olympiade nach Griechenland: Niklas Draeger (rechts) und Julian Müller (links)
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Fahren zur Internationalen Philosophie-Olympiade nach Griechenland: Niklas Draeger (rechts) und Julian Müller (links)
Die vier Schüler aus dem Regierungsbezirk Münster (v.l.n.r.) Saif I. Shafeeq (Münster), Ann-Kathrin Stoppek (Borken), Jan-Pascal Boos (Bottrop), Frederik Herdering (Marl)
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Die vier Schüler aus dem Regierungsbezirk Münster (v.l.n.r.) Saif I. Shafeeq (Münster), Ann-Kathrin Stoppek (Borken), Jan-Pascal Boos (Bottrop), Frederik Herdering (Marl)
Die Teilnehmer an der 10. Philosophische Winterakademie
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Die Teilnehmer an der 10. Philosophische Winterakademie

Ergebnisliste (PDF 22KB)

Essay Niklas Draeger 1. Sieger (PDF 25KB)

Essay Julian Müller 2. Sieger (PDF 71KB)

12.02.2010

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